CHRISTIANE HINRICHS

lebt und arbeitet als Bildende Künstlerin in der Schweiz. Ihre Arbeiten sind Versatzstücke aus Bild, Objekt und Installation. 


Vita: 
Geboren in Kiel. 1978 Abitur.
1980 bis 1983 Ausbildung zur Möbelschreinerin.
1984 bis 1990 Studium Industriedesign in Kiel.
30 Jahre Berufstätigkeit als Produktgestalterin und Möbeldesignerin in Kiel, München und seit
1998 in der Schweiz.
2002 Gründung des eigenen Designbüros
Seit 2016 freischaffend als Künstlerin und Kulturunternehmerin mit einem Teilpensum als Fachlehrerin Werkstatt im 10. Schuljahr.
2018 Gründung des eigenen Ateliers.
2017 bis 2021 Weiterbildung zur Ausbilderin FA.
2021 CAS Erwachsenenbildung in den Künsten und im Design an der ZHdK.


Ausstellungen:
03/2023  BUCH Überarbeitungen - Memoiren - Utopien, PHOTO.KUNST.RAUM. Hamburg, DE
11/2022  Eigentlich keine Ausstellung…, Atelier im Alten Pfarrhaus, Fahrwangen, CH (E)
08/2022  50 Jahre Emslandmuseum Schloss Clemenswerth, Emslandmuseum Schloss Clemenswerth, Sögel, DE
06/2022  Gezwitscher der blauen Sehnsucht in dunklen Zeiten, KÜNSTLERHAUS eins eins, Hamburg, DE
01/2022  FLORA Sinnlichkeit - Poesie - Nahrungskette in Gefahr, PHOTO.KUNST.RAUM. Hamburg, DE
01/2022  Formation im Fenster, IM FENSTER – Kleinste Kunstgalerie Zürich, CH (E)
10/2021  Ausstellung am Werkplatz, Holzbildhauer-Werkstatt Martin Hufschmid, Fischbach-Göslikon
09/2021  Fundstücke und Windeindrücke, Atelier im Alten Pfarrhaus, Fahrwangen, CH
               (mit Simone Maurer, E)
06/2018  Einblick, Atelier im Alten Pfarrhaus, Fahrwangen, CH (E)
10/2015  Werkschau Jahresgruppe, Atelier Adrian Spiegel, Sarmenstorf, CH


Die künstlerische Position von Christiane Hinrichs

Objekte und Installationen aus Stahlbändern, Skulpturen aus Holz, Zeichnung, Fotografie und Film sind die Arbeitsfelder von Christiane Hinrichs. Wobei das Material immer Ausgangspunkt für adäquates Handeln und Form, Proportion, Oberflächenstruktur Maß der gemeinsamen Linie ist. Statik und Bewegung, Dauer und Veränderung, Leichtigkeit und Schwergewicht erzeugen den Spannungsbogen, mit dem die Künstlerin ihre Werke entwickelt. In einer Gegenüberstellung und gleichzeitig in einem Miteinander dieser Gegensätze: Die Skulptur, die zur Zeichnung wird und umgekehrt. Die Linie, die kein Gewicht hat, nichts trägt.
Das Licht, das den Schatten zum Bild macht. Das Schwarz, das das Licht in der Reflexion erst sichtbar macht.

Die Stahlbänder hat sie bei einem Waldspaziergang entdeckt, als sie buchstäblich darüber gestolpert ist. 
Mit ihnen werden die großen Stückholzbündel zusammengezurrt. Aus den ersten Fundstücken ist 2018 das Objekt „Versuch, einen Kreis zu zeichnen“ entstanden. Mit gezielten gestalterischen Eingriffen werden aus den gebrauchten Stahlbändern markante, kalligraphisch anmutende «Liniengebilde». Direkt auf dem Boden liegend betonen sie als vom Raum durch-brochene Skulpturen Körperhaftigkeit und Gewicht. Frei im Raum aufgehängt werden sie zu schwerelosen Körpern, deren divergierende Schattenbilder an der Wand Zeichen eines Werkes in der Spannung von Statik und Veränderung zum Ausdruck bringen.

Der Gegenpol zu den leichten, manchmal schwebenden Objekten und Installationen bilden die massiven Holzobjekte, die die Künstlerin mit der Motorsäge herstellt. Als Schreinerin und Designerin arbeitet sie räumlich, dreidimensional, muss technische Vorgaben einhalten. Die Arbeit it der Motorsäge hingegen erlaubt ihr, ein schnelles intuitives Arbeiten nach groben, schnell mit Kohle skizzierten Entwürfen. Der Sägeschnitt, mit dem die Skulpturen aus dem massiven Stamm herausgearbeitet werden, bleibt bewusst sichtbar, macht den Entstehungsprozess nachvollziehbar und ist für Christiane Hinrichs ein wichtiges Gestaltungselement. Mit der Kettensäge zeichnet die Künstlerin ihre Schraffur und hinterlässt so ihre Handschrift auf der Holzoberfläche.
Die archaisch anmutenden Skulpturen stehen selbstbewusst auf klobigen Sockeln und strahlen Kraft, Bodenhaftung und Unverrückbarkeit aus. Die gleiche, schnelle, entschlossene Arbeitsweise wie bei den Arbeiten mit der Motorsäge zeigt sich auch in den großformatigen Zeichnungen. Klare Formen, kraftvolle Linien, starke Kontraste. Die Künstlerin arbeitet auch hier mit ihrem Material: Graphit, Acryl und Gouache auf Kulissenkarton oder Holz.

In ihrer Formensprache beschäftigt sich Christiane Hinrichs mit Archetypen. Genau wie Mythen sind sie nie abgeschlossen.
Sie verändern sich in der Zeit, werden neu interpretiert, bekommen stets neue ambivalente Bedeutung. Der Kreis, das Knäul, das Bündel stehen für Bewegen, in Bewegung sein. Aber auch für Wiederholung, nicht Weiterwissen und Verwirrung.
Das Haus, der Block, der Körper stehen für fest, stabil, schwer, für Beständigkeit, für Schutz. Ebenso auch
für Eingeschlossen, Gefangen sein. Der Schatten steht seit jeher im Zentrum von Mythen und Erzählungen. Bilder, die man intuitiv liest und versteht, mit denen die BetrachterInnen etwas Ursprüngliches, Vertrautes verbinden, aber auch Unheimliches, über den Körper hinauswachsendes Fremdes.

Stetige Veränderung, stetige Bewegung, stetiges Hinterfragen, stetige Neuinterpretation sind die Grundlage für künstlerisches Arbeiten. Immerwährende Auseinandersetzung im Wechsel von Tun und Reflektieren Schlüssel einer lebendigen Kunst. Und genauso versteht auch Christiane Hinrichs das Wesen der Kunst, und es spiegelt sich in ihrer Vorgehensweise und ihrer Haltung mit Material zu arbeiten wider.

Martin Conrad, Hamburg, September 2022
Bildender Künstler Malerei und Zeichnung, Lehrbeauftragter an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Dep. Design und Kunst Hamburg